In diesem Bereich des Portals sollen in Ergänzung zum Werk über die Armeen des Deutsch-Französischen Krieges Anekdoten und Fotografien veröffentlicht werden. Diese Anmerkungen können sich auf bestimmte Einheiten, aber auch auf Episoden des Krieges beziehen. Die eingefügten Aufnahmen sowie Detailausschnitte können einfach über einen Klick vergrößert und betrachtet werden.

Wenn Sie Interesse an der Präsentation einer zeitgenössischen Aufnahme, evtl. mit zusätzlichen Angaben zur Person, haben, können Sie sich hierfür an den Editor von Napoleon Online wenden.

 

Sächsische Jäger im Winter 1870/71

Jäger vom sächsischen 1. Jäger-Bataillon Nr. 12 um 1870 (Sammlung Markus Stein)Der hier sich stolz in Dresden zur Aufnahme (Sammlung Markus Stein) posierende Jäger vom sächsischen 1. Jäger-Bataillon Nr. 12 dürfte imSächsische Jäger im Winter 1870/71 Winter 1870/71 eine „Tarnuniform“ angelegt haben. Die Geschichte des königl. Sächsischen 1. Jäger-Bataillons Nr. 12 (von Hagen, Freiberg 1909) beschreibt die Jäger Ende Dezember 1870 wie folgt:

„Um sich vom Schnee möglichst wenig abzuheben, hüllten sich die Posten stehenden Jäger mit Vorliebe in weiße Tücher und bedeckten den Kopf mit den in Frankreich üblichen weißen Zipfelmützen.“

Tschako und Achselklappe vom sächsischen 1. Jäger-Bataillon Nr. 12Die Aufnahme wurde entweder vor 1870 oder nach 1873 erstellt und unterstreicht den unter den französischen Truppen üblichen Ruf der sächsischen Jäger und Schützen als „chasseurs noirs“, da ihre dunkelgrünen Waffenröcke fast schwarzgrün waren – wie hier auch am geringen Unterschied zu den schwarzen Kragen und Aufschlägen zu erkennen ist.

Im ersten Band des Werkes zu den Armeen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 finden sich weitere interessante Fotos zum Aussehen der sächsischen Infanterie, darunter auch eine Aufnahme des Stabes vom III. Bataillon des Schützen-Regiments Nr. 108 im August 1870 in Frankreich. Auch ein Tschako der sächsischen Jäger ist darin im Original abgebildet und erläutert.

"Blaue Kürassiere" unter den deutschen Truppen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 

Ober-Lieutenant Keyl im bayerischen 2. Cuirassier-Regiment 1866 (Sammlung Gunther Erben)Eigentlich verbindet man mit den "deutschen" Kürassieren die Farbe Weiß, da sie der vorherrschende Farbton der Röcke bzw. Koller innerhalb der schweren Kavallerie im Jahre 1870 war. Blau war das Kennzeichen der französischen Kürassiere - bis auf die Bayerischen, die ebenfalls eine, im Vergleich zu den französischen Reitern, hellere Montur trugen. Das konnte unter den verbündeten deutschen Truppen zu Verwechslungen führen, wie eine Anekdote aus dem Tagebuch des bayerischen 9. Jäger-Bataillons (von Hoepfel, 1876 erschienen) erzählt:


"Fast zu gleicher Zeit kam aus der feindlichen Richtung eine preußische Husarenpatrouille, welche meldete, daß die Mittheilungen von früheren Patrouillen auf einem Irrthum beruhten, der sich nunmehr aufgeklärt hätte. Es seien nämlich von denselben bayerische Cuirassiere für französische gehalten worden."

Auf der hier präsentierten Fotografie (Sammlung Gunther Erben) ist Hermann Alexander Ludwig Keyl (1832-1887) zu sehen, der mit 17 Jahren als Freiwilliger mit dem Dienstgrad Unterkanonier in das 2. Königlich bayerische Artillerie-Regiment eintrat. Im Jahre 1857 wechselte er in das 2. Cuirassier-Regiment Prinz Adalbert, in dem er 1866 zum Oberlieutenant und Regimentsadjutant befördert wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg, an dem er ebenfalls als Regimentsadjutant teilnahm (bestätigt durch das Militär-Handbuch mit Stand vom 16.4.1870), wurde er 1871 zum Rittmeister befördert und mit Patent Nr. 47 vom 29. Mai 1871 in das 1. Chevaulegers-Regiment Kaiser Alexander von Rußland versetzt.

Auf der um 1866 zu datierenden Aufnahme ist der typische, helle Mantel sowie der charakteristische Helm der bayerischen Kürassierwaffe zu erkennen. Mehr Details zu diesen und anderen Monturstücken bayerischer Kürassiere sind im ersten Band des Werkes zu den Armeen des Deutsch-Französischen Krieges zu entnehmen - unter diesen finden sich z.B. Detailaufnahmen mehrerer Helme oder des Waffenrocks Prinz Carls von Bayern, dem damaligen Inhaber des 1. Cuirassier-Regiments.

Französische Artillerie im Krieg von 1870/71

Lieutenant der französischen Artillerie um 1858 (Sammlung Markus Stein)Nach Rockdetails des französischen Lieutenants der Artillerieden zwei deutschen "Protagonisten" soll heute ein französisches Portrait veröffentlicht werden - nämlich das vom Lieutenant Jacques Loigerot, der im Annuaire Militaire de l'Empire Francais aus dem Jahre 1863 als Capitaine en second in der Funktion eines Bekleidungsoffiziers ("Officier d'Habillement") im 17. Artillerie-Regiment zu Pferd in Toulouse stationiert war. Im gleichen Regiment nahm er als Capitaine en second am Krieg 1870 teil und geriet am 29. Oktober in Gefangenschaft. Aus dieser kehrte er am 21. April 1871 nach Frankreich zurück.

Loigerot steht hier stellvertretend für die französische Artillerie stehen, die in den Deutsch-Französischen Krieg mit 15 fahrenden und 4 berittenen Regimentern zog, dazu kam noch das 16. Regiment der Artillerie-Pontoniers.

Die französische Artillerie war der Preußischen während des gesamten Krieges unterlegen, ein wichtiger Faktor für den siegreichen Feldzug der deutschen Armeen. Im Werk von Müller über die Entwicklung der Feld-Artillerie in Bezug auf Material, Organisation und Taktik von 1815 bis 1870 (Berlin 1873) findet sich auf Seite 329 ein Zitat aus einem Brief eines Generals aus dem französischen Korps Mac Mahon:

Was aber das Schlimmste, ist, daß unsere Artillerie in beklagenswerther Weise derjenigen der Preußen, sowohl was das Kaliber, als die Zahl betrifft, nicht gewachsen ist. Unsere 4pfdgn. Geschütze, hübsche Spielzeuge in einer Ausstellung, haben nirgends auch nur einen Augenblick vor den 12Pfdrn. der Preußen Stand halten können; Tragfähigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit des Schusses, alles ohne Vergleich, ist bei unseren Feinden überlegen.

Während unsere Artillerie sich nie halten konnte, verließ die preußische ihre Stellungen nur, um zu avanciren; sie schien von der unseren nie getroffen zu werden und bewegte sich mit derselben Kaltblütigkeit und derselben Präcision wie auf dem Exercierplätze."

Capitaine Loigerot vom 17. Artillerie-Regiment zu Pferd 1867-1870 (Sammlung Louis Delpérier)Das Rockdetail des Capitaines der Linienartillerie mit Ordenoben präsentierte Portrait (Sammlung Markus Stein) zeigt den Lieutenant Loigerot vor seiner Versetzung zur Gardeartillerie 1858 im Kollett, das letztmals 1860 vor dem Deutsch-Französischen Krieg modifiziert wurde. Man kann sich also die Offiziere der französischen Linienartillerie zu Beginn des Krieges im Jahre 1870 in ähnlicher Montur wie hier gezeigt vorstellen. Ein weiteres Portrait (Sammlung Louis Delpérier) zeigt Jacques Loigerot als Capitaine im 17. Artillerie-Regiment zu Pferd während der Jahre 1867 bis 1870, also kurz vor Beginn des Krieges gegen die deutschen Staaten.

Im zweiten Band des Werkes zu Uniformen und Ausrüstung der Armeen von 1870/71 ist neben anderen Stücken auch ein Originalkollett der Artillerieoffiziere in mehreren Aufnahmen zu studieren, wie unser Lieutenant Loigerot es hier trägt. Ich danke dem Autoren des Bandes, Louis Delpérier, für die Bereitstellung detaillierter Informationen zur Laufbahn von Jacques Loigerot.

"Doppelte" Dienstgradabzeichen in der Württembergischen Armee 1870/71

Württembergisches Reiter-Regiment Nr. 1 - Rittmeister von Schott 1871 (Sammlung Markus Stein)Der hier präsentierte Rittmeister Rudolph von Schott vom 1. Reiter-Regiment König Karl zeigt an seiner Uniform eine interessante Seltenheit, nämlich das Tragen von Dienstgradabzeichen in zweierlei Form. Denn neben den noch in der Württembergischen Armee üblichen und am vorderen Rand der für das 1. Reiter-Regiment hellblauen Halbkragen schwach erkennbaren Rangsternen - für Rittmeister drei - trägt von Schott hier die erst kurz vor Feldzugsbeginn vorgeschriebenen Feldachselstücke nach preußischem Muster. Bei vielen Einheiten trafen diese Achselstücke erst während des Feldzuges ein, so beispielsweise beim 2. Infanterie-Regiment erst im September 1870. Sie sollten den verbündeten Preußen und anderen deutschen Truppen die Identifikation württembergischer Offiziere erleichtern.

Rittmeister von Schott zog in den Deutsch-Französischen Krieg als Kommandeur der 3. Eskadron im 1. Reiter-Regiment, das während der Schlacht von Woerth am 6. August 1870 zwei Offiziere sowie etwa 100 Mann Gefangen nahm und eine Fahne, drei Geschütze und eine Mitrailleuse eroberte. Nach der Niederlage der kaiserlichen Armee bei Sedan rückte das Regiment mit der württembergischen Kavallerie in Richtung Paris vor und erhielt am 28. September im Hauptquartier der württembergischen Felddivision den folgenden Befehl zum Eintreiben von Zahlungen französischer Zivilbehörden (aus der Geschichte des Ulanenregiments "König Karls" (1. Württembergischen) Nr. 19, von Griesinger, Stuttgart 1883):

Auf höheren Befehl soll im Departement Seine et Marne eine Kontribution von 1 Million Franken zu vorläufiger Entschädigung für die Verluste, welche dem deutschen Privateigentum durch französische Kriegsschiffe und durch Austreibung der Deutschen aus Frankreich zugefügt worden sein, erhoben werden.
Oberst von Harding des württembergischen ersten Reiterregiments erhält Befehl, mit seinem Regiment nach Melun zu rücken und zunächst zu versuchen, durch die dortige Präfektur eine ordnungsmäßige Repartition und Beibringung der geforderten Summe zu bewirken, wobei dieser Behörde militärischer Schutz und militärische Unterstützung zu gewähren ist. im Falle der Abwesenheit oder Unwillfährigkeit der genannten Behörde hat Oberst von Darling die erwähnte Summe in folgenden Städten des Departements nach beigesetzter, auf die Einwohnerzahl gegründeter Repartition: Melun 240,000, Fontainebleau 240,000, Provins 180,000, Coulommiers 100,000 und Meaux 240,000 Franken, beizutreiben.

Dienstgradabzeichen und Orden des Württembergischen Rittmeisters vom 1. Reiter-RegimentAllerdings konnten nur etwas über 150.000 Francs - teilweise mit Widerstand - eingetrieben werden, als sich das Regiment Mitte Oktober in den Belagerungsring um Paris einreihen musste. Einen bedeutenderen Kampfeinsatz hatte das württembergische 1. Reiter-Regiment dann nur noch bei Villiers am 30. November 1870, in die aber die 3. Eskadron des Rittmeisters von Schott nicht erwähnenswert eingriff.

Nach Beendigung der kriegerischen Ereignisse rückte die 3. Eskadron mit dem Regimentsstab am 19. März in Reims ein. Dort entstand auch die hier veröffentlichte Aufnahme (Sammlung Markus Stein), die den Rittmeister von Schott mit dem ihm Ende März 1871 verliehenen Eisernen Kreuz 2. Klasse zeigt. Nach Abschluss des Friedensvertrages von Frankfurt am 10. Mai 1871 verließ von Schott Reims und rückte mit seinem Regiment in die Heimat ab.

Auf dem Portrait trägt Rudolph von Schott noch das Kreuz eines Ritters 3. Klasse des russischen St. Anna-Ordens, eine Auszeichnung die im württembergischen Hof- und Staats-Handbuch von 1869 belegt ist. Den Orden dürfte er nach 1866 erhalten haben, da Rudolph von Schott im Staats-Handbuch von 1866 als Ober-Lieutenant der Feldjäger-Schwadron noch ohne Auszeichnung gelistet ist. Im Jahre 1877 ist von Schott Major im Ulanen-Regiment Nr. 19 und wird schließlich vom 19. Oktober 1885 bis 10. November 1888 als Oberst das 2. Württembergische Dragoner-Regiment Nr. 26 kommandieren.

Im ersten Band zu den Uniformen und der Ausrüstung der deutschen Armeen des Deutsch-Französischen Krieges sind für die Kavallerie der württembergischen Truppen 1870/71 auch ein Helm sowie ein Waffenrock abgebildet.

Ich möchte mich bei Ulrich Herr und Daniel Krause für ihre hilfreiche Unterstützung bei der Identifikation von Uniform und Orden bedanken.

Taktik der preußischen Jäger gegen Infanterie und Kavallerie

Mit dem Portrait eines preußischen Jägers um 1870 (Sammlung Markus Stein) soll der erste preußische Soldat als Protagonist des Deutsch-Französischen Krieges vorgestellt werden. Durch die Auswahl besonders geübter Schützen, vornehmlich unter gelernten Jägern, kam den zwölf Linien- und zwei Garde-Bataillonen preußischer Jäger eine besondere Rolle in der Bekämpfung des Gegners zu. Noch vor Beginn des Krieges gegen Frankreich wurde diese besondere Bedeutung auch durch die neuen Ausbildungsbestimmungen für Jäger und Schützen aus dem Jahre 1868 sowie einer Schießvorschrift von 1869 unterstrichen.

Preußischer Jäger in Feldmontur 1870 (Sammlung Markus Stein)Ein eindrucksvolles Beispiel für die Taktik der Jäger im Kampf gegen angreifende Infanterie und Kavallerie liefert die Geschichte des Jäger-Bataillons Nr. 10 von Gottberg und Eschwege (Berlin 1903). Am 26. November 1870 muss die 3. Kompanie des Bataillons unter Kommando des Lieutenants Clüver im Örtchen Lorcy (etwa 30 km nordöstlich von Orléans) ein Gefecht bestehen:

Vor dem südlichen Rande des Dorfes nach Ladon zu befindet sich zunächst ein ebenes Geländer, an dessen äußerstem Ende, etwa 200 bis 300 Schritt von diesem entfernt, ein tiefer, breiter, fast rechtwinklig auf die Chaussee Lorcy-Ladon mündender Graben sich befindet; von hier aber steigt das mit Weingestrüpp bewachsene Gelände sanft bis zu einer Höhe an, dessen oberster Rücken noch etwa 600 Schritte von diesem Graben bezw. 800 bis 900 Schritt von dem Dorfrande entfernt ist. Dieser selbst ist vollständig offen und für eine Verteidigung völlig ungeeignet, die einzelnen Häuser stehen mit der Giebelseite nach außen in einem Abstandet von etwa 20 bis 30 Schritten ohne Verbindung nebeneinander.
... Im Laufschritt führte er [Clüver] daher seinen Zug, bereits stark von der Höhe herab geschossen, bis zu diesem [dem Graben] vor und erwiderte erst von dort aus, aber nut mir einzelnen wohlgezielten Schüssen, das Feuer des Feindes. Die anderen drei Züge der Kompagnie blieben zunächst geschlossen auf der Dorfstraße, gedeckt hinter einem Hause, da eine Verwendung für sie nach Lage des Geländes vorläufig ausgeschlossen war.

Allmählich verstärkte der Feind seine Schützenlinie immer mehr und bewarf die Jäger in dem Graben, den er von der Höhe herab völlig übersehen konnte, mit einem Hagel von Geschossen, die glücklicherweise keinen Schaden anrichteten, sondern meistens zu hoch gingen und weit jenseits des Grabens einschlugen. Als der Feind die Verteidiger des Grabens wohl genügend erschüttert zu haben glaubte, ging er, mit seinen Schützen fortwährend feuernd, die Höhe herunter vor; ihnen folgten in geringen Abständen kleine geschlossene Abteilungen und diesen wieder in weiteren Abständen stärkere Kolonnen, so daß das Ganze auf zwei Bataillone geschätzt wurde.
Die Jäger verstärkten nun allmählich ihr Feuer, das sie hauptsächlich auf die geschlossenen Kolonnen richteten, und da der Leutnant Clüver und die Oberjäger, immer in dem Graben hinter den Schützen hin und her kriechend, ihre ganze Sorgfalt darauf richteten, daß stets richtige Visierstellung genommen und ruhig gezielt wurde, so erlitt der Feind starke Verluste. Dennoch blieb er mit Vorrücken, bis seine Schützen sich auf etwa 150 Schritt dem Graben genähert hatten; hier mußten wohl die Verluste zu groß werden, die Schützen warfen sich nieder, und Deckung hinter dem Weingestrüpp suchend, begangen sie zurückzukriegen. Sofort machten auch die geschlossenen Abteilungen "Kehrt" und alles verschwand wieder hinter der Höhe.

Brotbeutel, Feldflasche, Tabaksbeutel und Patronentasche eines preußischen Jägers 1870... Zwei Stunden ungefähr hatte bis jetzt das Gefecht gedauert, und trotz zweimaligen Angriffs von mindestens zwei Bataillonen hatte der Zug noch keine Verluste erlitten; nur der Kompagnieführer, Leutnant von Lösecke, welcher für seine Person dem Zuge gefolgt war, hatte während des zweiten Angriffs einen Streifschuss unter die Kniescheibe erhalten ... 
Kaum war diese Rückwärtsbewegung [nach einem dritten Angriff der französischen Infanterie] vom Feinde ausgeführt, und die Jäger glaubten, daß er nunmehr jeden Versuch, sie aus dem Graben zu vertreiben, aufgeben würde, als plötzlich Kavallerie erschien, die auf der Chaussee nach Lorcy heranjagte. Hatte sich die Grabenbesatzung durch eiserne Ruhe trotz des überlegenen dreimaligen Angriffs hervorgetan, so kam jetzt freudige Bewegung und Übermut in die Jäger, denn was wollte ihnen die eine Schwadron Chasseurs à Chevaleresk, welche Stärke sofort erkannt wurde, nach solchen Erfolgen noch anhaben? Und mit dem Rufe: "Kavallerie, Kavallerie!" rissen sie die Büchsen hoch, um auf dieselbe zu schießen. Doch dem lauten, energischen Kommando des Leutnants Clüver: "Büchsen herunter, niemand schießt!" gelang es sofort, die Ruhe wieder herzustellen. Und rasch, denn es handelte sich nur um Sekunden, befahl er: "Alle Klappen herunter, jeder schießt mit dem Standvisier und hält mitten aufs Pferd, aber erst auf das Kommando "Jetzt!"

Tschako eines preußischen Jägers 1870So ließ er dann die feindliche Schwadron bis auf 200 Schritt herankommen, dann kommandierte er "Jetzt!", und im selben Augenblick Stütze ein großer Teil der Schwadron auf die Chaussee zu Boden. Nur den letzten Reihen gelang es, "kehrt" zu machen und, noch stark von den Jägern beschossen, über die Höhe zurückzukommen, während fünf bis sechs Reiter der vordersten Reihe, darunter der Oberst, an den Jägern vorbei nach Lorcy hineinjagten, hier aber von den dort noch stehenden beiden Zügen der Kompagnie in Empfang genommen und von den Pferden geschossen wurden.

Außer zwei Chasseurs, die vor dem Dorfe abbogen, entkam keiner. Einem Chasseur gelang es noch, in das Dorf hinein zu reiten und durch Säbelhiebe den Marketender und einen Trainsoldaten zu verwunden, um bald darauf das gleiche Schicksal mit seinem tapferen Oberst zu teilen.

Am hier präsentierten Jäger, der sich ohne Tornister und mit leger nach links gelegter Feldmütze präsentiert, zeigt sich die gesamte Feldausrüstung, bestehend aus Brotbeutel, Feldflasche, Patronentasche und gerolltem Mantel. Dieser sollte eigentlich über der linken Schulter getragen werden. Das Ablegen der Tornister wird für die preußische Infanterie für zahlreiche Gefechte beschrieben, die Ersatzpatronen aus den im Tornister mitgeführten Büchsen sollten dann in den Mantel eingewickelt oder in den Hosentaschen mitgeführt werden. Im ersten Band des Werkes zur Uniformierung und Ausrüstung der Armeen von 1870/71 werden diese Teile der Feldausrüstung preußischer Infanterie und Jäger anhand von erhaltenen Originalstücken vorgestellt.