Beitragsseiten

 

In der Pfarrei von Schwalbach nahe Saarlouis findet sich die umfangreiche Chronik der Pfarrei Schwalbach, niedergeschrieben von Pfarrer Franz Georg Wolf.

Die in Sütterlin-Handschrift verfasste Chronik setzt im Jahre 1869 ein und endet 1892. Alle für den Krieg von 1870-1871 relevanten Passagen wurden transkribiert und werden hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anmerkung zu den Aufzeichnungen des Pfarrers Franz Georg Wolf, Pfarrei Schwalbach

Pfarrer Wolf,  geboren am 11.10.1836 zu Dern an der Lahn, war von 1866 bis 1892 Pfarrer der Dörfer Schwalbach, Griesborn und Knausholz, die zusammen eine Pfarrei bildeten und eine Kirche in Schwalbach besaßen.  Um 1870 zählte Schwalbach  ca 1.300 Einwohner, Griesborn (Filialgemeinde)  ca. 600 Einwohner und Knausholz (heute Elm), durch einen Bergrücken von den beiden vorgenannten Orten getrennt, etwa 400 Einwohner. 1870  hatten auch die vorgenannten 3 Orte eine  gemeinsame Schule in Schwalbach.

In Schwalbach lagen 1870 fünf Gruben, wovon eine einen Eisenbahnanschluss nach Ensdorf hatte. 1 Grube lag in der Mitte der beiden Orte Schwalbach und Griesborn, an der Grenze, die auch von 1580 bis 1815 die Staatsgrenze zwischen Nassau-Saarbrücken (Schwalbach) und Lothringen bzw. Frankreich (Griesborn) bildete.  Im Ortsteil Schwalbach wurden 1859 von der Grubenverwaltung die Schlafhäuser errichtet, langgestreckte einstöckige Gebäude, in den auswärtige Bergleute untergebracht waren.

In den 3 Orten gab es überwiegend Katholiken. Evangelische waren sehr gering vertreten, etwa 100 Personen. Die Grubenbeamte waren in der Regel evang. Konfession (viele aus preuß. Landen)

Pastor Wolf hat eine umfangreiche Chronik (über 300 Seiten, großformatig, ) in Süterlin - Schrift erstellt und alles wissenswerte über seine Pfarrei und auch die Ereignisse während seiner Tätigkeit als Pfarrer in Schwalbach festgehalten.

Auszüge aus der Chronik des Pfarrer Franz Georg Wolf

Herzog Gramont (französischer Außenminister)Freitag, den 15. Juli, Nachmittags 1 Uhr 50 Minuten schloß der französische Minister des Auswärtigen, der Herzog von Grammont, seine Auseinandersetzung im gesetzgebenden Körper zu Paris im Auftrag der französischen Regierung mit einer Kriegserklärung gegen Preußen! (Telegraphische Depesche der Kölnischen Zeitung). Das war die Brandfackel, welche eine schwankende, von innern Partheiungen bedrängte Regierung zu ihrer eigenen Rettung in den tiefen Frieden eines Nachbarlandes schleuderte. Alle Stimmen des In- und Auslandes sind in dem Ausspruch einig, dass niemals ein Krieg in frevelhafterer Weise provoziert, niemals in einer übermüthigender Weise angekündet worden sei, als dieser; (und) ebenso hoffen aber auch Alle, dass jetzt dem streitsüchtigen gallischen Hahn einmal gründlich der Übermuth gebrochen und seinen Prätentionen ein Ende gemacht werde.

Nur wenige Worte über nächste Veranlassung zum Kriege, der Grund und die eigentliche Ursache dazu liegen tiefer: sie lag ausgesprochen in den Idées napoleoniennes v. 1839, lag in der Erinnerung an Waaterloo, an Königgrätz oder Sadowa, lag endlich in der Furcht vor der deutschen Einheit.

Im September d.J. 1868 hatten die Spanier ihre Königin Isabella verjagt und die Republik proclamiert; dieselbe schien ihnen aber nicht zu behagen, und darum sahen sie sich wiederholt nach einem neuen König um, aber vergeblich. Am elften Juni c. erklärte endlich der spanische Ministerpräsident,  in der Kammer zu Madrid, er habe einen Thronkandidaten gefunden, der bereit sei, die Krone des Landes anzunehmen. Derselbe habe alle Eigenschaften, die von einem solchen gefordert werden könnten: „er sei von königlichem Stamme, katholisch und mündig, jedoch könne er den Namen desselben noch nicht nennen, da er einerseits durch Ehrenwort zum Schweigen verpflichtet sei, andererseits keine politischen Verwicklungen herbeiführen wolle!“ (cf. Erstes Blatt der Kölnischen Volkszeitung vom 13. Juli 1870, No. 191). Ob das Ganze nun, wie man behauptetem ein fein ausgesponnener Plan zwischen den Kabinetten von Madrid und Paris war oder nicht, mag dahingestellt bleiben! Tatsache ist, dass die spanische Regierung unterm 10. Juli durch ihren Vertreter überall erklären ließ, dass sie ihre betreffenden Verhandlungen nur mit dem gedachten Prinzen allein geführt, nicht durch den Minister des Staates, worin der Prinz ansässig sei.“ (cf. Telegramm der K.Volkszeitung im ersten Blatt vom 11. Juli 1870, No. 189).

Émile Olivier (Französischer Ministerpräsident)Unterm 4. Juli c. brachte nun der Constitutionnel, das Organ des frz. Ministeriums die Mittheilung, „dass Prinz Leopold v. Hohenzollern – aus der katholischen Linie der Hohenzollern, weiland Hohenzollern-Hechingen–Siegmaringen, Bruder des Prinzen Karl von Hohenzollern, gegenwärtig Fürst v.Rumänien und des bei Königgrätz gefallenen Prinzen Anton v. Hohenzollern – die spanische Krone angenommen habe.“ Am folgenden Tage deponirte ein Abgeordneter in der franz. Kammer eine wahrscheinlich vorherbestellte Interpellation über die spanische Frage, worauf Grammont erklärte, die Regierung nie dulden werde, dass ein preußischer Prinz den Thron Carls V (?) besteige. Am 6. Juli wurde die Sprache der beiden franz. Hauptminister Grammont u. Ollivier noch drohender gegen Preußen; sie erklärten, der König solle dem Kandidaten verbieten, die span. Krone anzunehmen, widrigenfalls Frankreich auch vor einem Krieg gegen Preußen nicht zurückschrecken werde; ebenso am 7. Juli (cf. Die telegraphische Depesche in No. 185 , 186 der Köln. Volkszeitung). Inzwischen war der König v.Preußen ruhig in Ems, wo er die Badekur benutzte,  und wie er, so nahm, wie französische Blätter constatirten (cf. Unter anderem  das Blatt Graniers de Cassagnac des Pays, angeführt im 2. Blatt der Köln.Volkszeitung v. 12. Juli No. 190) kein Mensch jenseits des Rheines irgend welche Notiz an dem franz. Lärm. Ebenso blieb die Reise des preuß. Gesandten von Paris nach Ems und wieder zurück ohne irgend welchen Eindruck. Am 9. Juli erschien der franz. Botschafter in Ems und verlangte in einer Audienz vom König, dass er dem Prinzen Leopold die Annahme des span. Thrones verbieten solle. Der König erwiderte, er könne in der Sache dem Prinz Leopold gegenüber nur als Familienhaupt handeln, und da er ihm als solches keinen Befehl zur Annahme der Krone gegeben habe, auch keinen Befehl zur Zurücknahme seiner Kandidatur geben. Am 11. erschien Benedetti zu einer neuen Audienz, worin er sein früheres Verlangen wiederholte, und stärker betonte, worauf der König abermals erwiederte, man möge ihn mit der Angelegenheit doch nicht behelligen, da er mit der Sache doch nichts zu thun habe. Prinz Leopold sei in seinen Entschließungen frei; auch wisse der König nicht einmal, wo er sich gegenwärtig aufhalte. Am 13. Juli, Morgens früh überreichte der König dann dem Botschafter auf der Brunnenpromenade ein so eben eingetroffenes Telegramm der Köln.Zeitung, wonach „Prinz Leopold angesichts der entstehenden Verwicklungen seine Kandidatur zurückgezogen und auf den spanischen Thron Verzicht geleistet habe, mit dem Hinzufügen, dass die widerwärtige Sache doch wohl jetzt ein Ende haben werde. Genannte Verzichtleistung war bereits unterm 12. Juli in dem durch die Rodomontaden Grammonts und Olliviers  furchtbar aufgeregten Paris eingetroffen. In dem sofort abgehaltenen Ministerrath sollten mehrere Minister sich dafür erklärt haben, dass die spanische Frage jetzt erledigt sei und man keinen weiteren Grund zu einem feindlichen Auftreten gegen Preußen habe, andere Minister hätten dagegen erklärt, dass man einen weiteren Grund dann eben suchen müsse, da sich nie wieder eine so günstige Gelegenheit zum Kriege bieten würde. Vor allem sei es der Kriegsminister Leboeuf gewesen, welcher seine Angst vor einer friedlichen Beilegung des Streites nicht habe verhehlen können! Wiederholt habe er mit seinem Falzbein auf seine Mappe getrommelt unter dem Ausrufe: O mon Dieu, mon dieu, nous sommes archiprèts“  Endlich habe der Kaiser im Gefühle, dass er unter allen Umständen darauf sehen müsse, durch eine gloire seinen Thron zu befestigen und die Armee wieder mit neuen Sympathien für sich und seine Dynastie zu erfüllen, den Ausschlag gegeben und zwar für den Krieg, indem er Grammmont beauftragte, Benedetti in Ems mit neuen Instructionen zu versehen, „dass er vom Könige die Versicherung verlange, „er werde, falls später noch einmal dem Prinzen Leopold die spanische Krone angeboten werden sollte, unter allen Umständen die Erlaubniß zur Annahme derselben verweigern“! Wie man später mit aller Bestimmtheit versicherte, wären dieser Instruction an Benedetti noch die Worte beigesetzt gewesen: Brusquez le roi!  Mag dem nun so sein oder nicht, glaublich klingt die Behauptung wenn man damit die Infinuation vergleicht, welche der franz. Minister an den preuß. Gesandten in Paris richtete, er möge bei seinem Herrn dem König einen eigenhändig geschriebenen Brief an den Kaiser erwirken, worin jener die bereits erwähnte Versicherung unter Hervorhebung der bisherigen guten Beziehungen zwischen Preußen und Frankreich noch einmal erneuere, welcher Brief dann der Öffentlichkeit übergeben wrden sollte. In Privatgesprächen hoben die beiden Minister von Frankreich dann hervor, wenn Preußen auch, wie sie befürchteten, jene verlangte Garantie geben wolle, so müsse es, ehe vom Frieden Rede sein könne, auch noch  Mainz aufgeben, seine Verträge von 1866 mit den Südstaaten lösen und Artikel V des Prager Friedens erfüllen.

Demgemäß verlangte der franz. Botschafter am Morgen des 13. Juli, nachdem ihm der König das erwähnte Telegramm der Kölnischen Zeitung überreicht hatte, die bereits wiederholt erwähnte Versicherung ‚“dass der König nie wieder seine Einwilligung geben werde, wenn die quasi Thronkandidatur etwa später noch einmal auftauchen sollte“. Sei es nun, dass dem Könige eine Ahnung von der gegen ihn beabsichtigten Demüthigung aufstieg oder nicht, er weigerte sich, dem an ihn gerichteten Ansinnen zu willfahren mit dem Bemerken, dass etwaige weitere Verhandlungen in der Sache durch die betreffenden Ministerien geführt werden sollten. Kaum war er aber in seine Wohnung zurückgekehrt, als Benedetti wiederum erschien und eine abermalige Audienz verlangte, um noch einmal über denselben Gegenstand mit S.Majestät  zu reden, sei es auch nur, um dieselben Worte von heute Morgen noch einmal zu hören. Der König aber ließ ihn durch seinen Flügeladjutanten, Fürsten Radziwill bedeuten, er müsse es entschieden ablehnen, sich in weitere Diskussionen bezüglich der in Rede stehenden Angelegenheit einzulassen. Was er heute Morgen gesagt, sei sein letztes Wort. Benedetti rüstete sich darauf sofort zur Abreise und verabschiedete sich am folgenden Morgen bei dem Könige auf dem Bahnhof zu Coblenz, wohin se. Majestät an diesem Tage zur Parade gefahren war.

Daß es nun „los gehen werde“, verstand sich ganz von selbst, trotzdem dass Tausend und aber Tausend sich noch krampfhaft an den Gedanken anklammerten: Nein, Napoleon kann eine solche Verantwortlichkeit nicht auf sich laden, in Zeit von 10 Tagen aus dem tiefsten Frieden zum furchtbarsten Krieg überzugehen, zumal da der Gegenstand seiner Besorgniß, die Kandidatur eines Hohenzollerischen Prinzen – wohlgemerkt nicht preußischen Prinzen – auf den spanischen Thron beseitigt ist und sein Minister Ollivier noch unterm 20. Juni in der französischen Kammer erklärt hatte, die Weltlage sei nie eine so eminent friedliche gewesen wie damals. Allein Napoleon hatte, wie wir oben gesagt und im Laufe unseres Resümes nachgewiesen haben, einen Krieg und eine gute Dosis Gloire für sich und sein Regiment nothwendig, und darum konnte ihn nichts von seinem frevelhaften Verhalten abbringen.

Bereits am Abend des 14. Juli wusste er durch seine allmächtige Polizei eine gewaltige Demonstration zu Gunsten des Krieges auf den Boulevards und in den Studenten-Quartieren von Paris ins Werk zu setzen. Eine unermessliche Volksmenge durchwogte die Straßen unter Gesang und den Rufen: „Hoch der Kaiser! Nieder mit Preußen! Es lebe der König! Auf nach Berlin! Nieder mit Bismarck!“ Gleichzeitig ließ er aber eine fast eben so imposante Demonstration von Arbeitern und stillen Bürgern im Sinne des Friedens durch Polizei-Attacken auseinandertreiben und viele von den Theilnehmern an derselben verhaften. Am fünfzehnten Juli Nachmittags Ein Uhr machte dann die franz. Regierung durch die Minister Gramont und Ollivier gleichzeitig den Senat und den gesetzgebenden Körper in Paris Mittheilung von der Sachlage und schloß mit der Ankündigung des Krieges gegen Preußen, der nothwendig geworden sei, einmal durch die dem franz. Botschafter vom König in Ems zugefügte Beleidigung (?) zweitens durch ein Rundschreiben des Königs an die preuß. Geschäftsträger im Ausland, worin der Benedetti zugefügte Schimpf bestätigt werde, (??) und endlich drittens darum, weil der König die Verzichtleistung des Prinzen von Hohenzollern nicht bestätigt, sondern demselben die Freiheit die spanische Krone anzunehmen zurückgegeben habe. (???!!) (cf. Köln. Volkszeitung 2. Blatt v. 16. Juli 1870. No. 194). In beiden Häusern folgte der lebhafte Beifall diesen Lügen; die wenigen Besonnenen, welche von einem so frevelhaften Krieg abriethen, resp. erst genauer von der Sachlage und der Nothwendigkeit dieses Krieges unterrichtet sein wollten, wurden mit Hülfe der beiden Minister niedergeschrien und als Preußen, Feinde des Vaterlandes, bezeichnet. Ollivier beschwor sogar die Kammer nicht auf Vorlage von Dokumenten zu bestehen – (natürlich, weil er keine hatte) – und erklärte, „die französische Regierung übernehme leichten Herzens die Verantwortlichkeit für den Krieg!“ Natürlich wurden alle Forderungen bewilligt. Noch an demselben Tage reiste der preuß. Gesandte von Paris, der König dagegen von Ems nach Berlin ab, allüberall von begeistertem Jubel seiner Unterthanen empfangen. Die neuen  Provinzen wetteiferten darin mit den alten, Hannover und Kassel mit Magdeburg und Berlin. Noch am Abend des 15. Juli gab der König die Order zur Mobilmachung des gesammten norddeutschen Heeres, am 16. und 17. folgte die Mobilmachung der süddeutschen Heere mit dem Hinzufügen, dass sie unter preußischen Oberbefehl gestellt werden sollten und jetzt brach die Begeisterung erst recht los. Von allen Seiten drängten sich, ähnlich wie 1813, die Freiwilligen herbei, sowohl aus den höchsten wie aus den niedrigsten Ständen, so daß Viele von ihnen zurück- oder gar abgewiesen werden mussten. Die großen Handelsstädte, Corporationen und einzelne Personen stellten dem Staat große Summen zur Verfügung, sowohl zur Bestreitung der nothwendigen Bedürfnisse als auch zur Belohnung für solche, welche sich in dem Krieg besonders hervorthun würden, und beliefen sich einzelne dieser Prämien bis auf 300 Thr. Berlin stellte sofort 1 Mill. Thlr., Bonn 100.000, 18 Firmen aus Barmen nicht weniger als 17.700 Thlr; Sogar aus weiter Ferne kamen von den Deutschen per Telegramm Wechsel auf riesige Summmen für die Regierung: Von St. Louis in Amerika 1 Million Dollar; von Petersburg 15.000 Rubel; dann bewilligte Berlin am 20. oder 22 Juli abermals  80.000 Thlr für die Verwundeten und dabei brachte jede Zeitung jeden Tage neue Ankündigungen großer patriotischer Gaben. Überall bildeten sich Frauenvereine zur Pflege der Verwundeten, wurden Sammelstellen errichtet zur Entgegennahme von Liebesgaben; die protest. Johaniter- und kathol. Malteser-ritter organisierten sich ebenfalls zum Krankendienst. Katholische Ordensmitglieder boten sich an zur Seelsorge und zum Lazarethdienste, mit einem Wort: Jeder wollte sein Scherflein zu dem großen Werk beitragen! Gewiß, es war eine große, gewaltige und erhebende Zeit damals, die Niemand vergessen wird! Hätte Schwalbach nicht zu nahe an der Grenze gelegen, ich wäre ebenfalls unter denen gewesen, die sich zur Übernahme der Seelsorge im Feld oder zum Dienst in den Lazarethen gemeldet hätten. Am 19. Juli wurde die offizielle frlanz. Kriegserklärung in Berlin übergeben. Natürlich ist hier nicht der Platz, über die weiteren allgemeinen Ereignisse zu berichten: Damit würden wir über die uns gesteckten Grenzen weit hinausgehend. Kehren wir darum zu dem zurück, was sich in Schwalbach oder doch der nächsten Umgebung unserer Pfarrei ereignete.


Noch in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli, war die Mobilmachungsorder nach Trier und Saarlouis gekommen, und hatte man sofort Alles aufgeboten um die dem Feinde am Meisten exponirten Punkte in etwa wenigstens zu decken, wenn überhaupt noch bei dem großen Vorsprung, den die Franzosen natürlich bei ihren Rüstungen hatten, noch von einer Deckung derselben Rede sein konnte. So wurde dann die Mannschaft des 40. Regiments in Trier sofort kriegsmäßig ausgerüstet und zum Theil nach Saarlouis, zum Theil nach Saarbrücken geworfen, natürlich per Bahn. Ebenso wurden noch in derselben Nacht in Saarlouis die Wäller armirt, die Saarschleußen zur Inundirung der Festung eingesetzt und die vorhandenen Equipirungsgegenstände eingepackt und nach dem Rhein geschafft. Ohne etwas von der inzwischen eingetroffenden Mobilmachungsordre zu wissen, aber von einer unerklärlichen Unruhe getrieben ging ich Samstag den 16. Juli, Morgens gegen 9 oder ½ 10 Uhr in die Stadt.  (Anm. es folgt eine persönl. Schilderung des Schreibers über die Verhältnisse in der Stadt Saarlouis, die ich in anderer Schrift darstelle) 

Region um Saarlouis (2. August 1870)

Saarlouis und Umgebung (2. August 1870)

Bereits am Fort Rauch blitzten mir im Sonnenschein die Mündungen der Kanonen von den Wällen entgegen sowie die Bajonette der dabei aufgestellten Posten, ein höchst befremdender Anblick. Zwischen den Festungsthoren und dem erwähnten Fort begegnete ich einer Kompagnie vom 40. Regiment, welche, natürlich in die besten Montirungen gekleidet, Patronen aus dem Pulverschuppen resp. Laboratorium entnommen hatten. Selbstverständlich konnte mir nun über die Lage  der Sache kein Zweifel mehr aufstoßen, zumal da ich gleichzeitig hörte, dass die in Saarlouis garnisonirenden Uhlanen bereits in der verflossenen Nacht mit den übrigen disponibelen Truppen von da per Bahn nach Saarbrücken verladen worden seien. In Saarlouis selbst fand ich die furchtbarste Aufregung. Um ½ 11 Uhr wurden überall Plakate angeschlagen, wonach die Mobilmachung beschlossen, alle Beurlaubten sofort zu ihren Truppenkörpern zurückzukehren hätten, die Reservisten, Landwhrleute und Ersatzreserve I Classe dagegen sich schleunigst, sei es per Bahn oder zu Fuß, nach Engers zu ihrer Einkleidung begeben sollten. Einberufungszettel an den Einzelnen auszugeben gestattete die Noth des Augenblicks und die Kürze der Zeit nicht; aber nichts desto weniger beeilten sich Alle, jener Bekanntmachung Folge zu leisten. Alles eilte zur Bahn, um nur ja noch  befördert zu werden, weil man jeden Augenblick befürchten müsste, die Herren Franzosen würden über die Grenze vorgehen und die Bahn unbefahrbar machen. Wo der Einzelne dann ein Plätzchen fand, war ihm ganz einerlei, in einem Coupé erster Klasse oder auf dem Trittbrett eines Packwagens, ob auf dem Tender der Lokomotive oder auf dem Deck eines Viehwagens, und wenn nur einmal der erste Schmerz über die Trennung von Haus und Hof und Weib und Kind überwunden war, dannn ging es mit Fröhlichkeit und Singen weiter.

Um zwei Uhr nachmittags, wurde dann in Saarlouis der Belagerungszustand proclamirt. Inzwischen war morgens hier auf der Grube die Weisung angekommen, die Bergleute vollständig auszulöhnen und den Beamten einen Gehaltsvorschuß von 3 Monaten zu zahlen, wahrscheinlich um die Grubenkasse zu leeren. Der Berginspektor welcher auch einberufen wurde, hielt noch eine kurze Ansprache an die versammelten Bergleute, worin er ihnen unter Anderem bedeutete, die zurückbleibenden Bergleute und Beamten sollten, auch wenn die Grube von Franzosen besetzt werden sollte, ruhig weiter functioniren, dabei aber nicht vergessen, dass sie preußische Unterthanen seien und deßhalb stets das Beste des preuß. Staates im Auge halten. Dann übertrug er seine Stelle interimistisch dem Berggeschworenen H e i n z. Abends um 9 Uhr wurde dann die Aufforderung, welche in der Stadt um ½ 11 Uhr affichirt worden war, auch hier mit der Schelle bekannt gemacht, worauf sich die dadurch Betroffenen sofort zum Abzug rüsteten. Einzelne mussten sogar noch aus der Grube von der Arbeit gerufen werden. Ich setzte mich sofort in den Beichtstuhl und hörte die Abberufenen z.hl. Beichte, bis Morgens früh um ½ 1 Uhr. Um 4 Uhr theilte ich die hl. Comm. aus und hielt an die Scheidenden noch eine kurze Ansprache, worauf sie gegen 6 Uhr nach Bous zur Bahn abmarschirten(Gegen 60 Mann). Ebenso saß ich um dieses gleich hier anzuführen in der Nacht vom 18. auf den 19. für eine zweite Abtheilung bis gegen 12 Uhr z.hl.Beichte welche dann in der Frühe des 19. von hier abzogen. Unter den zuerst Einberufenen und Abmarschirten war auch der Lehrer an der hiesigen dritten Schule M. Sartorius, welche in Folge dessen bis zum 7. November c. ausgesetzt bleiben musste. Sonntag, den 17. Juli, Morgens um 7 Uhr wurde dann hier bekannt gemacht, dass Alle ihre Feldfrüchte, soweit sie noch draußen seien, einheimsen sollten. Um 10 Uhr erging von der Kommandantur in Saarlouis der Befehl an die Bewohner der Stadt, von Fraulautern und Lisdorf, dass sofort alle Häuser und Baracken im ersten Festungsrayon geräumt und zur Niederlegung fertig gestellt werden müssten. Sonntag Nachmittag wurde das Festungsglacis rasirt und gleichzeitig in den benachbarten Orten (jedoch nicht in hiesiger Pfarrei) eine bedeutende Anzahl Schlachtvieh zur Verproviantirung der Festung requirirt. In Folge dessen bemächtigte sich eine ungeheuere Panik der meisten Ein- und Umwohner von Saarlouis. Hatte das Brod am Samstag Nachmittag (6 Pfd) in Saarlouis bereit 15 Sgr. Gekostet, so forderte man am Sonntag Nachmittag in Fraulautern bereits 1 Tr. Dafür. Salz kostete 3-31/2 Sgr.pro Pfund. Hier war kein Mehl, keine Kartoffel, nichts mehr zu haben, in Saarlouis natürlich noch viel weniger. Montag Morgen mussten sämmtliche Pferdebesitzer der Umgebung mit ihren Pferden zur Ausmusterung derselben auf dem Festungsglacis rsp. dem Brückenkopf erscheinen. Dienstag Morgen kam der Befehl an die noch anwesenden Grubenbeamten, sofort zum definitiven Abschluß der Grubenrechnung zu schreiten; gegen Mittag wurde vom Festungskommandanten auch im gesammten Festungsrayonsbezirk der Belagerungszustand proclamirt mit dem Befehl, dass innerhalb 24 Stunden alle Bäume, Hecken und Stäucher bis auf eine Entfernung von 300 Schritten vom Glacis der Festung geräumt sein müssten; ebenso sollten die Mauern, Häuser und Baracken im ersten Festungsrayon niedergelegt werden, damit die Behörde nicht später gezwungen sei, dieselben durch Feuer zu zerstören. In Folge dieses Befehls mussten nun die schönen Gärten und Alleen um Saarlouis herum schonungslos verwüstet werden und schon am folgenden Tag (Mittwoch, den 20 Juli) war Alles öde und kahl.

Donnerstag, den 21 Juli, Nachmittags gegen vier Uhr kamen von den am Sonntag, Montag und Dienstag nach Engers Abmarschirten die ältesten Jahrgänge  (1855 und 1856) sowie die gesammte Ersatzreserve wieder zurück, nur die Schuhmacher, Schneider und Sattler hatte man in den Militärwerkstätten zurückgehalten.

Während der Zeit vom 20. bis 30. Juli fielen an der Grenze beständige Vorpostengefechte vor, die aber immer zum Nachteil der Franzosen ausschlugen. Diese hatten am 20 Juli auch das erste Opfer des Krieges zu beklagen, welches auf eine Entfernung von ca 300 Schritt vor einem preußischen Füsilir in der Nähe der sog. Goldenen Bremm erschossen wurde. Allgemein wunderte man sich über die Unthätigkeit der Franzosen, welche doch längst schlagfertig an der Grenze aufmarschirt waren, sich aber nie weit über die preuß. Grenze vorwagten. Ganz anders dagegen war es auf unserer Seite. Patrouillen von 3-5 Mann drangen stundenweise ins feindliche Land ein und brachten dann jedes Mal einen oder den anderen Franzosen als Gefangenen mit ein. Besonders waren es die Ulanen und das vierzigste Regiment, welche sich bei derartigen Affairen am Meisten auszeichneten, so dass die erste Frage der Franzosen, wenn sie in eines der deutschen Grenzdörfer sich wagten, die gewesen sein soll: „Nix Vierziger pas ici?“

Samstag, den 23 Juli Abends traf mitten in diesem Kriegstrubeln der Hochwürdigste Herr, der Bischof von Trier von Rom kommend wieder in seiner Residenz ein. Derselbe hatte mit den übrigen deutschen Bischöfen die Sitzung des Konzils am 18. Juli, in welcher dir Frage von der Infallibilitas Papae ex cathedra loquentis zur Verhandlung und Entscheidung kam, nicht abgewartet sondern war bereits am 17. Juli von dort nach Hause gereist.

Am 27. Juli wurde der unterm 21.(unleserlich) vom Könige  ausgeschriebene Bettag gehalten, um von Gott Hülfe und Beistand in diesem uns aufgedrungenen Kriege zu erflehen. Am Nachmittag dieses Tages sammelten dann die zurückgebliebenen Steiger von hier, die 3 Ortsvorsteher und einige Kirchenrathsmitglieder auf meine Bitte und Anregung hin alte Leinwand, um daraus Charpie, Binden etc. für die Kriegslazarethe anzufertigen. Diese Arbeit wurde von Schulkindern und erwachsenen Mädchen besorgt, welche aus dem eingelieferten Material nicht weniger als:

169 Binden, in einer Länge von 2-18 Ellen, im Gewicht von 18 ½ Pfd.
  73 Tücher zu Cataglasinen im Gewicht von 12 ¾ Pfd.
  90 Tücher zu Compressen im Gewicht von 8 ¼ Pfd
  Einen weiteren Pack Comporessen zu 9 ¾ Pfd.
  71 größere und kleinere Handtücher; 37 Hemden, 16 große Betttücher;
  58 dreieckige Armtücher, 6 kleine Betttücher: 3 Kissenüberzüge,
  39 ½ Pfd Charpie (krause lange und Gittercharpie) herstellen.

Dazu kam noch ein großer Waschschwamm und etwas baares Geld.- Dabei sind aber nicht mitgerechnet jene Gegenstände welche von einzelnen Protestanten dahier gesammelt und in der prot. Schule hierselbst zu Lazarethzwecken verarbeitet worden sind, ebenso nicht der Betrag der Hauskollekte, welche von den einzelnen Bürgermeistern in ihren Bürgermeistereien ebenfalls zur Unterstützung der Kriegslazarethe abgehalten wurden, und welche, wie ich aus sicherster Quelle weiß, in Griesborn allein ein Ergebniß von 11 ½ Thlrn lieferte.

Sobald die Mobilmachung der einzelnen Truppentheile vollendet war, erfolgte in verdeckter Weise der Aufmarsch derselben nach der Grenze zu, wo jeder seinen bereits bestimmten Platz einnahm, so zwar, dass er vor einem etwaigen fendlichen Vorstoß gesichert war. Daher kam es, dass wir hier in Schwalbach nur zweimal den Durchzug einer Division (von Lebach, Saarwellingen, hier, nach Püttlingen) zu beobachten Gelegenheit hatten, während wir mit Einquartirung bis zum 8.August vollständig verschont blieben. Der erwähnte Durchmarsch fand Samstag den 6. von 9 Uhr Morgens bis Nachmittags 2 Uhr statt und zwar von der 13. Division, die aufs äußerste erschöpften Leute wurden von den Einwohnern von Schwalbach aufs Liebevollste mit Brod, Fleisch, Eiern, Esssig u. Wasser, kaltem Kaffee etc. gelabt. Montag den 8. August zog eine zweite Division desselben Weges, die in derselben Weise empfangen wurde. Dienstag den 9. August wurde nach Schwalbach und Knausholz das Achte Deutzer Küirrassier-Regiment (ca 600 Pferde, ohne Offiz. Preussischer LandwehrmannUnd Nichtcombattanten, und nach Griesborn ein ganzes Uhlanenregiment einquartirt, wovon das Pfarrhaus natürlich auch seinen antheil erhielt (Oberst, Major, 2 Burschen und 6 Pferde). Samstag, den 12. August gegen 6 Uhr Abends wurden dann eine sechspfündige Batterie des 5. Art.Regiments, 2 Compagnien des 18. Landwehrregiments (Division Kummer) hier einquartiert. In Knausholz lag ebenfalls eine Batterie Art. Und in Griesborn 2 Compagnien des 59. Regiments, davon beherbergte das Pfarrhaus vom Samstag Abend bis Mittwoch Nachmittag einen Major, einen Adjutanten, das Bataillonsbüreau, 3 Pferde und 3 Burschen, alles vom 18. Landwehrregiment (Polen) Die Leute sollten durch Magazinverpflegung beköstigt werden, allein die Lebensmittel kamen oft zu spät oder auch gar nicht, so dass die Quartirgeber nichts destoweniger die Leute auch zu verpflegen hatten, obgleich sie ohne Verpflegung einquartiert waren. Weitere Einquartierungen hatte die Pfarrei bis zur Beendigung des Krieges und bis zur Rückkehzr der deutschen Truppen nicht zu tragen.

Unterm 2. August fand die berühmte Eroberung von Saarbrücken statt, bei welcher Gelegenheit nicht ganz 3 Kompagnien vom 40 ten Regiment drei Divisionen Franzosen mit 30 Geschützen mehrere Stunden lang den zähesten Widerstand entgegen setzten, bis sie endlich, um nicht von der Übermacht erdrückt zu werden, auf das Gros der Armee in die Nähe von Kölln und Heusweiler zurückgingen. Über diesen großartigen Sieg, herrschte bei den Franzosen unendlicher Jubel, aber nicht lange sollte die ungetrübte Freude dauern. Schon am 4. August hatten die Deutschen unter Führung des Kronprinzen v. Preußen  einen entscheidenden Sieg über die Franzosen bei Weissenburg im Elsaß davon getragen; diesem folgte am sechsten August die siegreiche Schlacht bei Wörth. Früh am Morgen desselben Tages setzte sich auch die in hiesiger Gegend zwischen Köllerthal und Saarbrücken zusammengezogene Armee in Bewegung und ehe es vollständig Nacht wurde, waren die Franzosen schon bei Speichern oder Spichern, links von der Straße von Saarbrücken nach Forbach geschlagen und in der Richtung auf Metz zu zurückgeworfen. Nach mehrtägigen heftigen Kämpfen um Metz wurde Marschall Bazaine mit seiner Armee in die Festung abgedrängt und dort aufs engste cernirt. Am 3. September kam die Nachricht von der Niederlage und Gefangennehmung Napoleons mit seiner ganzen Armee bei Sedan, hier an, worauf sofort auf der Grube Victoria geschossen wurde. In Paris proclamirte man beim Eintreffen dieser Hiobspost die Republick. Inzwischen hatte die Grubeninspektion Befehl gegeben, in dem oberen Schlafhause ein Lazareth für Verwundete zu 32 Betten einzurichten und zum Schutz desselben gegen etwaige feindliche Angriffe oder Belästigungen die Genfer Neutralitätsfahne aufzustecken. (Mitwoch den 4. August) Weil aber in der ganzen Gegend kein Arzt verfügbar war, so musste der ursprüngliche Plan dahin abgeändert werden, dass mit den vorhandenen Betten etc andere Lazarethe subsidiert werden sollten. So erhielten Herr Pfarrer Schrod von Ensdorf für sein Privatlazareth im dortigen Pfarrhause 16 Bettstellen sammt Zubehör; aus den hier gesammelten und zu Lazarethzwecken verwendeten Leinwandbeständen 90 Compressen, 3 Kissenüberzüge, 3 Dutzend größere Handtücher; 43 größere dreieckige Armbinden; 16 große Betttücher; 2 Dutzend Hemden; 1 ½ Pfd. lange Charpie und einen großen Waschschwamm. Herr Pastor Feiten von Fraulautern erhielt ebenfalls für sein Privatlazareth aus dem Schlafhause 15 Bettstellen, doch ohne Bettzeug. Diese beiden Herren hielten, um dieses hier gleich zu erwähnen,  die genannten Lazarethe (Ensdorf mit 16 und Fraulautern mit 62-66 Betten) ohne jegliches Subsidium von Seiten des Staates- nur dass während der Rinderpest, wo in Fraulautern absolut kein Fleisch zu haben war, die Kommandantur von Saarlouis das nöthige Fleisch dem H. Pastor Feiten zur Verfügung stellte – bis tief ins Jahr 1871 hinein, während welcher Zeit sie über 4500 Verpflegungstage hatten. Daß ihnen dafür irgend welche Anerkennung von competenter Seite wäre zu Theil geworden, haben wir nicht in Erfahrung bringen können. Die übrigen Leinwandbestände von hier wurden dann an das Lazareth in Saarlouis abgegeben.

Occupation Roms  den 20. September 1870

Schon in der ersten Woche des Monats August zog Napoleon in seiner übelen Lage die wenigen Truppen, die er noch in Rom hatte von dort zurück. Natürlich glaubte man Italien werde die mit Napoleon abgeschlossene sogen. September-Convention respectiren, allein Victor Emanuel hielt es für besser, den günstigen Zeitpunkt zu benutzen um die durch den Sturm abgeschüttelten Birnen in seinen Sack fallen zu lassen. 1859 wurden seine Truppen geschlagen, allein nichts destoweniger erhielt er die Lombardei mit den kleinen Italischen Fürstenthümern; Garibaldi verschaffte ihm  Neapel; französische resp. Napoleonische Perfidie schenkte ihm den größten Theil des päpstlichen Gebietes; 1866 wurde er bei Custogge und Lissa geschlagen, aber Venezien bekam er dennoch. Nunmehr, wo Frankreich außer Stande war, seine Pläne zu verhindern, streckte er seine Hand auch nach dem bisherigen  kleinen päpstlichen Gebiet u. der Stadt Rom selbst aus. Unterm 13. September überschritten seine Divisionen an 3 Stelllen die päpstliche Grenze, drängten die wenigen päpstlichen Soldaten zurück, bombardirten  am 20. früh Rom selbst und schossen Bresche an der Porta pia. Darauf befahl der Papst den Widerstand aufzugeben, Rom capüitulirte und die italienischen Bataillone hielten unter klingendem Spiel ihren wenig ruhmvollen Einmarsch in die ewige Stadt. So war der Papst zur Abwechslung wieder einmal seines ganzen Landes beraubt und selbst ein Gefangener im Vatikan; denn auf die heuchlerischen Versicherungen einer lügenhaften Regierung, dass der hl. Vater vollständig frei sein werde, wird kein Vernüftiger etwas geben. Wundern soll es uns übrigens nicht, wenn über kurz oder lang gewisse Zeitungen aus diesem Vorfall den Beweiß herleiten, dass es jetzt mit der kath. Kirche und in specie des Papstthums zu Ende sei. Gibt es doch immer Menschen genug, auf welche das bekannte Wort Napoleons  I. auf Elba passt: „Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen!,“ die es nicht zugeben wollen, was doch die Geschichte zur Evidenz bezeugt: „dass noch Keiner vom Papst gegessen habe, der nicht daran gestorben wäre!“ Eine traurige Tatsache sprang bei dieser Gelegenheit aber jeden unbefangenen Beobachter der erwähnten schmachvollen Beraubung des hl.Vaters, des ältesten legitimen Fürsten des Erdkreises, in die Augen, daß nämlich sämmtliche Regierungen Europas den schmählichsten Bankerott an allem Rechtlichkeits-Gefühl erlitten haben, da keine Einzige sich bewogen fand, gegen dieses unerhörte Attentat sich zu erheben oder ein Wort zu verlieren. Wie wir später in No. 175 Zweit. Blatt der Köln.-Volkszeitung v. 7.1872 gelesen, haben italienische Blätter zu Ende des Jahres 1870 oder Anfangs 1871 die Mittheilung gebracht, Bismarck selbst habe nach der Schlacht bei Sedan an das florentinische Kabinet die Mahnung resp. Weisung gesendet: „Jetzt nach Rom oder nie!“ eine Mittheilung, welche von keiner Seite her ein Dementi erfahren hat. Später, im Okt. 1872 erweiterte die genannte Zeitung ihre deßfallsige Mittheilung dahin, daß nicht einmal sondern zweimal diese Aufforderung von Bismarck an das florent. Kabinet gerichtet worden sei, das letzte mal mit dem Zusatz, dass er sid.h.Preußen oder Deutschland? / für alle etwaige Eventualitäten der ital. Regierung den Rücken decken werde. Mit Berufung auf diesen Hergang habe dann der it. Minister Visconti Venosta einem (französ.?) Diplomaten gegenüber erklärt, „das florent. Kabinet sei förmlich gezwungen worden  nach Rom zu gehen!“


Dienstag, den 20ten September 1870 meldeten die telegraphischen Depeschen, dass Tags vorher, also am 19. Sept. 1870  die Cernirung von Paris perfekt geworden sei.

Eine der erschrecklichsten Folgen, welche der Krieg für die hiesige ganze Umgebung, jedoch mit Ausnahme von Schwalbach und Knausholz, mit sich führte, war der Ausbruch der Rinderpest. Zur Verproviantierung der Armee waren von ungefähr dem 10 August. C. ab eine Menge der  der prächtigsten Ochsen, meist podolische Race aus den alten Provinzen hierher gebracht und in den Gärten von Fraulautern sowie zwischen der Chaussee und dem Bahnhof von dort eingestellt worden. Durchgehend von milchsweißer Farbe mit großen geschweiften Hörnern versehen boten die Thiere in ihrer großen Anzahl (gegen 1500 Stück)  einen prächtigen Anblick; allein schon wenige Wochen nachher hatte sich das Alles furchtbar verändert. Bekanntlich ist das Rindvieh podolischer Race am meisten zu jener furchbaren Krankheit disponirt, rechnen wir nun noch dazu, dass eine so große Anzahl davon auf einem möglichst engen Raum zusammengepfercht war, schlecht genährt und allen Unbillen der Witterung preis gegeben, so muß man es am Ende natürlich finden, wenn jene Pest zum Ausbruch  kam und zahlreiche Opfer forderte. Mehr als 500 Stück davon wurden erschlagen, später erschossen und auf der Höhe von Saarwellingen beerdigt, zu welchen traurigen Amt ganze Compagnien abkommandirt wurden. Nicht lange dauerte es, und die Rinderpest brach auch in Fraulautern selbst aus. Dieser Ort besaß einen Rindviehstand von mehr als 550 Stück (Kühe, Ochsen, Rinder, Kälber) ohne die Ziegen, Pferde und Schweine zu rechnen. In kürzester Frist waren diese sämmtlich, selbst die Ziegen, getötet, gesunde wie kranke, nur um den Herd der Krankheit und den Krankheitsstoff möglichst zu vernichten. Für die Passanten durch Fraulautern wurden an allen Eingängen von Fraulautern Desinfectionshäuschen errichtet. Dasselbe geschah u.A. auch in Dillingen, Wellingen, Griesborn, Bous und Derlen.

Dienstag den 27 September, Abends gegen ½ 5 Uhr wurde in dem belagerten Straßburg an mehreren Stellen zugleich   die weiße Fahne aufgezogen; die sofort eingeleiteten Verhandlungen schlossen Abends gegen 9 Uhr mit der Unterzeichnung der Capitulation dieser Festung. Mittwoch,  den 28. September erfolgte dann die Übergabe, und so war Straßburg, nach fast genau 189 Jahren (2 Tage fehlten) wieder in Deutschen Besitz übergegangen, hoffentlich für immer.

Capitulation von Metz, den 27. rsp. 28. October 1870

Am siebenten Oktober 1870 fand der letzte große Ausfall Bazaines aus dem eng cernirten Metz statt in der Richtung auf Thionville zu; die Franzosen kämpften mit einer wahren Verzweifelung, um den Durchbruch zu erzwingen, allein vergeblich. Die durch diesen erbitterten Kampf hervorgerufene Kanonade konnte man v. ungefähr Morgens zehn Uhr bis spät in den Nachmittag hinein hier deutlich wahrnehmen. Dieselbe war so heftig und die Schüsse folgten mit einer so rapiden Schnelligkeit aufeinander , daß man glaubte das Schnellfeuer von Bataillonscolonnen zu hören.

Dienstag, den 25. October sandte nun Bazaine, welcher sich aus Mangel an Lebensmitteln nicht mehr halten konnte, den alten General Changarnier, welcher Frankreich seit ungefähr Mitte August c. seinen Degen zur Verfügung gestellt hatte, zu dem Kommandirenden des Deuitschen Belagerungsheeres, dem Prinzen Friedrich Karl, um ihm Propositionen wegen der Kapitulation zu machen, allein ohne Erfolg. Prinz Friedrich Karl bestand auf der Übergabe „auf Gnade und Ungnade“. Am Abend des 25. October machte Bazaine durch Entsendung des Generals Cissay noch mal den Versuch, bessere Bedingungen zu erlangen; natürlich auch jetzt wieder vergeblich. Am Nachmittag  des 27. October verhandelten dann der deutsche Bevollmächtigte, Graf Stiehle und der französische Abgesandte General Jarras im Schlösschen Frescaty über die näheren Modificationen der Unterwerfung und Abends acht Uhr wurde das Kapitulationsprotokoll der Festung Metz und der Bazainischen Armee von den beiden genannten Offizieren unterzeichnet. Am 28. October, Mittags 12 Uhr fand dann die Übernahme der Forts, Pulvermagazine etc durch die deutschen Truppen statt und am 29. Morgens der Ausmarsch der Franzosen und der Einzug der Deutschen. In Gefangenschaft geriethen, einschließlich der Verwundeten 173000 Mann, 3 Marschälle (Bazaine - Canrobert - Leboeuf)  über 50ß Generale und mehr als 6000 Offiziere. Vorgefunden wurden 53 Adler und Fahnen, 541 Feldgeschütze u. das Material für mehr als 85 Batterien – gegen 800 Festungsgeschütze sechsundsechzig Mitrailleusen; gegen 300.000 Gewehre; Kürasse, Säbel etc., in großer Anzahl; gegen 2000 Militärfahrzeuge, sowie nicht verarbeitetes Holz, Bronce und Blei in großen Massen, eine vollständig eingerichtete, wertvolle Pulverfabrik und andere Dinge mehr.

Deutsche Soldaten in Metz 1870

 Deutsche Soldaten in Metz nach Beendigung der Belagerung

Von den Gefangenen wurden um 83.000 über Bousendorf, Saarlouis, Trier und durch die Eifel nach Köln a.Rhn. dirigirt, die übrigen mit den Generälen und Offizieren über Saarbrücken. Die ersten Transporte trafen am Vorabend von Allerheiligen in Saarlouis ein, denen dann Tag für Tag  neue Massen nachgeschoben wurden. Es war ein trauriger Anblick, die armen Leute zu sehen; abgerissen, schmutzig, hohläugig, rangirten sie sich auf dem Markt von Saarlouis, um dann zur Speisung in die Kasernen geführt zu werden. Bei dieser Gelegenheit fragte ich einen Soldaten der großen Nation, wann er zuletzt in einem Bette geschlafen habe? Am siebenundzwanzigsten Juni war die Antwort und doch wollen die Franzosen stets behaupten, sie seien von uns überfallen worden. Auch kam ich nicht umhin,  für eine kleine Unterredung einzuschalten, welche ich mit einem Chasseur von den Gefangenen, einem Elsässer, am 3. od. 4. November Abends am Bahnhofe hatte. An und für sich ist dieselbe ganz unbedeutend, lässt aber meiner Ansicht nach einiges Licht auf das Geheimniß der beständigen Siege der Deutschen in diesem Kriege fallen. Zufällig, kam ich mit dem erwähnten Elsässer ins Gespräch, natürlich deutsch. Bei dieser Gelegenheit kam auch die Rede auf die allgemein verbreitete Ansicht, „die Franzosen hätten sich bei Metz wohl durchschlagen können, wenn es ihnen recht ernst gewesen wäre“. Der Chasseur gab die Möglichkeit eines solchen Durchbruchs aber nur für die allerersten Tage nach der Schlacht bei Gravelotte zu; „später hätten sich die Preußen in ihren Positionen eingeschanzt und Wall und Graben ihnen entgegengesetzt. Die französ. Offiziere hättten wohl beabsichtigt, trotz alledem den Durchbruch zu bewerkstelligen, allein die Soldaten hätten sich dazu nicht hergegeben.“ Diese Bemerkung eines Elsässers hörte ein Landwhrmann von der Festungsartillerie in Saarlouis, welcher gerade neben mir stand. Indignirt über diesen Beweis der Insubordination beim franz. Militär, antwortete er dem Chasseur sofort: „Und ich hatte mir bei meiner Einberufung zum Kriege den festen Vorsatz gemacht, so viel an mir liege Alles aufzubieten, dass uns das da – nämlich die Wegführung in die Gefangenschaft – nicht passiren sollte!“ Der Franzose fühlte recht gut den Hieb, der in diesen Worten lag, denn er drehte sich auf dem Absatz herum und verlor sich unter seinen Kameraden.

Ein interessantes Factum während der Belagerung von Metz wollen wir hier noch kurz erwähnen,  nämlich den Bau einer Feldeisenbahn um Metz herum, von Remilly nach Pont a Musson, in einer Länge von 5 ½ Meilen, innerhalb  40 Tagen, vom 12. August bis 20 September 1870. Außer dem Personal der militärischen Eisenbahnabtheilung und den vier Pionier-Kompagnien waren nicht weniger als Dreitausend Bergleute aus dem Saarbrücker Kohlenrevier, darunter auch viele Schwalbacher an diesem Werk beschäftigt, welches für unsere Truppen im  Inneren Frankreichs von der wesentlichsten Bedeutung war.

Am 24. November capitulirte die Festung Thionville oder wie sie mit ihrem deutschen Namen heißt: Diedenhofen, wenige Meilen unterhalb Metz an der Mosel. Sobald die Nachricht hiervon nach Saarlouis kam, ließ der Kommandant die bereits nach der Kapitulation von Metz theilweise  ausgehobenen Saarschlißen völlig beseitigen, wodurch die Inundation des Festungsterrains aufgehoben und der Schifffahrtverkehr auf dem Flusse wieder frei gegeben wurde.

Am 18. Januar 1871 fand in dem Hauptsaale des alten Königsschlosses zu Versailles bei Paris die feierliche Proclamirung des wiederaufgerichteten Deutschen Kaiserreiches statt,  dessen Krone nun für immer mit der Krone Preußens vereinigt sein und bleiben sollte, so dass der jedesmalige König von Preußen auch deutscher Kaiser ist. Von diesem Tage an schrieb unser König sich also „Wilhelm I. Kaiser von Deutschland und König von Preußen!“

Am 23. Januar1871 bat Jules Favre den nunmehrigen deutschen Reichskanzler Bismarck brieflich um Erlaubniß, nach Versailles kommen zu dürfen. Diese Erlaubnis wurde ihm sofort bereitwilligst gewährt, und bereits Abends um acht Uhr befand sich der französ. Minister dem Deutschen gegenüber. Favre war gekommen, Unterhandlungen anzubieten, allein die deutschen Heerführer lehnten alle derartige Verhandlungen ab und forderten die Ergebung von Paris auf Gnade und Ungrade. Am Nachmittag des 24. Januar wurde Jules Favre mit diesem Beschluß des Kriegsrathes bekannt gemacht, er nach Paris zurückkehrte, um den übrigen Ministern den Entscheid der Deutschen zu überbringen. Am Nachmittag des 25. Januar erschien Jules Favre abermals in Versailles bei Bismarck, und kehrte dann am Abend des 26. wieder nach Paris zurück. Der getroffenen Verabredung gemäß wurde in der Mitternacht von diesem 26. auf den 27. Januar auf deutscher und französischer Seite die Kanonade eingestellt. Am 28. Januar wurden dann zwischen dem franz. Minister und dem deutschen Reichskanzler ein dreiwöchentlicher Waffenstillstand zu Wasser und zu Land abgeschlossen, von dem jedoch die französische Südarmee und die ihr gegenüberstehenden deutschen Truppen ausdrücklich ausgenommen wurden. Sämmtliche Forts um Paris herum wurden den Deutschen übergeben, alle Waffen und Trophäen ausgeliefert, ebenso 1.500 Festungsgeschütze, 400 Feldgeschütze und Mitrailleusen, sämmtliche Kanonenboote der Seine, mehrere Lokomotiven und ein großer Eisenbahnwagenpark. Außerdem musste das heilige Paris eine Contribution von 200 Millionen Franken gleich und baar bezahlen. Schließlich blieb die in Paris befindliche Armee in einer Höhe von 180.000 Mann  kriegsgefangen dort eingeschlossen. Am 26. Febr. wurden dann die Friedenspräliminarien in Versailles von Bismarck einerseits und  von Jules ‚Favre und Thiers auf der anderen Seite unterzeichnet, vorbehaltlich der Genehmigung durch die National-Versammlung in Bordeaux, welcher dieselben bereits am 28. Februar unterbreitet wurden. Am Mittage des 27. Februar wurde das darauf bezügliche Telegramm des Kaisers an die Kaiserin hier bekannt und dieses glückliche Ereigniß mit Böllerschüssen, Flaggen u. dergl. gefeiert. Sowohl hier auf der Grube wie in den benachbarten Orten Bous, Hostenbach, Schaffhausen, Wadgassen etc. wurde furchtbar geschossen; außerdem hielten die Wadgassener einen großartigen Fackelzug, wobei natürlich patriotische Reden und bengalisches Feuer nicht fehlen durften.

Französischer Artilleriepark auf dem Montmartre 1871

 Französischer Artilleriepark auf dem Montmartre in Paris (März 1871)

Inzwischen hatten aber die Deutschen auch auf dem Gebiet des Kriegsschauplatzes, welcher ausdrücklich von dem Waffenstillstand ausgenommen war, die großartigsten Erfolge errungen. Vergeblich hatte der General der alten kaiserlichen Garden, Bourbaki, auf welchen die Franzosen die größten Hoffnungen setzten; mit gewaltiger Übermacht drei volle Tage lang (15.16.17. Jan.) versucht, bei Montbiliard den preuß. General v. Werder zurückzudrängen, Belfort zu entsetzen und dann in das obere Elsaß, vielleicht auch nach Baden etc. einzufallen. Alle seine Angriffe wurden mit enormen Verlusten für ihn zurückgeschlagen, so dass er am 18. Januar sich genöthigt sah, zur Reconstruirung seiner Armee  den Marsch auf Besancon und Lyon  anzutreten. Die Deutschen aber waren auch nicht faul und suchten ihm mit Aufbietung aller Kräfte den Weg dorthin zu verlegen. Bourbaki machte in seiner Verzweifelung einen Selbstmordversuch und sein Nachfolger, General Clinfant schloß, um der unvermeidlichen Gefangenschaft zu entgehen, mit den schweizerischen Militärbehörden eine Convention ab, zufolge welcher die ganze, noch immer 80.000 Mann starke franz. Armee auf schweizerisches Gebiet übertrat und dort bis zum Friedensschluß internirt blieb. Dieser Übertritt geschah am 1. Febr. 1871, bei Verrieres und Pontarlier und konnten die schweizerischen Blätter nicht genug erzählen von dem furchtbaren Elend, welches unter jenen 80.000 Mann Franzosen herrschte. Gegen 60.000 Mann kamen noch nach Lyon.

Am 1. März 1871 fand nach einer großen, glänzenden Parade in der Ebene von Longchamps der Einzug der Deutschen in einer Stärke von 30.000 Mann  in Paris statt, und zwar durch die Avenue de la grande armee, den Triumpfbogen bis hinab auf den Concordeplatz und zu den Tuilerien. Noch an demselben 1. März  wenn auch  Spät am Abend, ratifizirte die National-Versammlung zu Bordeaux die am 26. Febr. zu Versailles abgeschlossenen Friedenspräliminarien; am 2. März wurden sie vom Deutschen Kaiser zu Versailles unterzeichnet, und somit faktisch der großartigste Krieg, den die Welt bis dahin vielleicht gesehen hatte, beendet.

Am 3. März räumten die Deutschen Paris wieder und richteten sich ein zum unverweilten Rückmarsch in die Heimath. Mittwoch, den 15. März Morgens gegen 11 Uhr traf der Kaiser mit einem Theile seines Hauptquartirs wieder auf den ersten preußischen Bahnhof Saarbrücken ein.

Am 19. Juli 1870 wurde der Krieg amtlich von Paris aus erklärt; - am 16. Februar fand er sein tatsächliches Ende auf dem letzten Kriegsschauplatz; rechnet man von dieser Zeit die Dauer der Mobilmachung und des Aufmarsches der Truppen, so wie die Zeit der Unterhandlungen resp. des Waffenstillstands ab, so bleiben für die amtliche Kriegsdauer eine Zeit von 180 Tagen. In diesen 6 Monaten haben die deutschen Heere 156 Gefechte bestanden; 17 große Schlachten geschlagen, 26 feste Plätze genommen, 11.650 Offiziere, 362.000 Mann Gefangene gemacht und über 6.700 Geschütze und 120 Fahnen oder Adler erbeutet. Daraus ergibt sich, dass die Deutschen in jedem der sechs Kriegsmonate durchschnittlich 26 Gefechte und drei Schlachten durchkämpft, 4 Festungen genommen, 1950 Offizire  und 60.500 Mann gefangen und 1110 Geschütze und 20 Adler resp. Fahnen erbeutet haben, ein Resultat, wie die Weltgeschichte kein ähnliches mehr aufzuweisen hat. Napoleon wurde – wie die übrigen Kriegsgefangenen, sofort  seiner Haft entlassen und ging von Wilhelmshöhe direct nach England, wohin ihm die weiland Kaiserin und der dito Kaiserliche Prinz bereits vorausgeeilt waren.

Unsere Pfarrei erlitt, in diesem Kriege den Verlust von fünf braven Pfarrgenossen, von denen auffallender Weise Jeder auf einem der 5 großen Kriegsschauplätze sein Leben aushauchte, resp. In Folge der dort erhaltenen Verwundungen starb.

  1. Jacob Spies aus Griesborn. Soldat bei der 4. Kompagnie 40. Inf.Regimentes fiel beim Sturm auf die Spicherner Höhen, am Nachmittag, des 6. August, indem eine franz. Chassepotkugel ihm durch den Helm in den Kopf drang und so seinen augenblicklichen Tod herbeiführte. Sonntags fanden ihn einige Griesborner Burschen, welche auf das Schlachtfeld gepilgert waren, unter den Todten. Seine Angehörigen, welche von diesem Todesfall benachrichtigt wurden, holten die Leiche dort ab und ließen sie am 9. August auf hiesigem Kirchhof beerdigen  

  2. Peter André aus Griesborn.  Soldat bei der 1. Komp. 30. Inf.Regt. wurde am 22.  Sept. 1870 bei der Belagerung von Straßburg von einer frz. Granate zerschmettert und liegt bei Straßburg begraben.

  3. Jacob Kreutzer aus Schwalbach.  Reservist bei der 4. schweren Fußbatterie des 11. Art.Rgt. starb im Januar 1871 im Lazareth zu Orleans (Ambulance americaine) in Folge der am 8. Dez. 1870 bei Cravant in der Nähe von Orleans erhaltenen Verwundung und liegt in oder bei Orleans begraben. Er hinterließ eine Frau und ein Kind.

  4. Johann Zeiger aus Schwalbach. Soldat bei der 11. Kompagnie 40. Inf.Reg. fiel beim Sturm auf den Bahnhof v. St. Quentin am 19. Jan. 1871, von einer franz. Kugel in die Brust getroffen, nachdem er vorher allen Actionen dieses berühmten Regimentes beigewohnt hatte; und liegt in der Nähe von St. Quentin begraben.

  5. Peter Leistenschneider aus Griesborn starb in Folge der Kriegsstrapazen am 26. April 1871 im Lazareth zu Metz und wurde dann von seinen Angehörigen nach Griesborn gebracht.  Derselbe gehörte zur 4. Compagnie des Ersatzbataillons vom 30. Rgt.

Außer diesen 5 Toten hatte die Pfarrei von ungefähr 50-60 Einberufenen (ausschließlich derer, die beim Beginn des Krieges noch beim Militär standen) zwei oder drei leicht Verwundete. Drei von allen die mit ausgerückt waren, wurden wegen ihrer bewiesenen Tapferkeit mit dem eisernen Kreuz decorirt, nämlich der Pionier-Unteroffizier Matth. von dem Broch aus Schwalbach, der Unteroffizier Joh.Bapt. Louis vom Königin Augusta Grenadir-Regiment a. Griesborn und der Artillerist J. Frank von hier.

Am Mittwoch den 10. Mai 1871 Nachmittags 2 ½ Uhr wurde in Frankfurt a.M. im Gasthof zum Schwanen der definitive Friedensschluß zwischen Frankreich und Deutschland von dem deutschen Reichskanzler und dem franz. Minister des Auswärtigen dem Fürsten Bismarck und Jules Favre unterlzeichnet. Von den Bedingungen dieses Friedens wollen wir nur diese eine hervorheben, dass Frankreich an Deutschland die enorme Summe von fünf Milliarden Franken oder den Franken zu 8 Sgr. gerechnet den kleinen Betrag von 1333.333.333 Thlr. 10 Sgr. zu entrichten hatte, ohne die darauf entfalllenden Verzugszinsen bis zur gänzlichen Abtragung dieser Schuld. Außerdem blieben als Unterpfand für die Zahlung dieser fünf Milliarden bestimmte französiche Gebietsstrecken von deutschen Truppen besetzt, deren Unterhaltung resp. Verpflegung Frankreich ebenfalls auf seine Rechnung übernehmen musste.

Vorstehendes gehört wohl eigentlich nicht in die Chronik von Schwalbach, weil wir aber über den Beginn und Verlauf des großen Deutsch-französisch. Krieges uns ausführlich verbreitet haben, so haben wir geglaubt, doch auch seines definitiven Abschlusses Erwähnung thun zu müssen.