Auf Basis eines umfangreichen Gefechtskalenders, der als Anlage Nr. 202 im fünften Band der von der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes herausgegebenen Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71, erschienen 1881, sollen die dort erwähnten Scharmützel, Gefechte, Schlachten und Belagerungen hier aufgeführt werden.

Die Anlage geht von einer umfassenden Auflistung aus, in die nur Ereignisse aufgeführt wurden, die von "mindestens einer geschlossenen Kompagnie, Eskadron oder Batterie" auf Seite der deutschen Armeen gefochten wurde. Im hier präsentierten Kalender sollen die auf Grundlage der Anlage und anderen kriegshistorischen Werken aufgeführten Kampfhandlungen mit Stärke- und Verlustangaben sowie Abbildungen und zeitgenössischen Notizen, u.a. aus Tageszeitungen oder Memoiren, ergänzt werden. Größere Gefechte oder Schlachten sollen in separaten Beiträgen vertiefend dargestellt werden.

Dienstag, 19. Juli 1870

Scharmützel zwischen Saarbrücken und Forbach

Deutsche Truppen Rheinisches Ulanen-Regiment Nr. 7
(2., 3. und 4. Eskadron)
Französische Truppen Jäger zu Pferd

 

Die Kölner Zeitung schreibt zu diesem Scharmützel am 20. Juli 1870:

"Heute Mittag erschoss ein Soldat des 40. Infanterie-Regiments, der auf Vorposten stand, einen Französischen Infanteristen auf 300 Schritt Entfernung. Die Französischen Chasseurs zu Pferde gaben darauf mit ihren Carabinern Feuer, gingen aber dann zurück, als unsere Ulanenpatrouillen vom 7. Ulanen-Regiment vorrückten. Die Französischen Patrouillen kommen jetzt häufig über die Preussische Grenze. Es haben noch verschiedene andere kleine Vorpostengefechte stattgefunden, und es wurden heute Abend zwei gefangene Französische Soldaten eingebracht. Die Franzosen klagen über die Gewaltmärsche, die sie in letzter Zeit gemacht hätten. Die Hitze ist sehr gross und erschwert unsern braven Soldaten sehr den Dienst. (Der Preusse, dessen Geschoss den Französischen Soldaten tödtete, ist der Gefreite Kraus vom Hohenzollernschen Füsilier-Regiment No. 40.)"

 

Sonntag, 24. Juli 1870

Scharmützel in Schreckling bei Saarlouis

Deutsche Truppen 8. Rheinisches Infanterie-Regiment Nr. 70
(8. Kompanie - 1 Offizier verwundet)
Französische Truppen Soldaten des Zoll ("Douaniers")

 

Im Tagebuch des Deutsch-Französischen Krieges von Georg Hirth wird das Scharmützel kurz beschrieben:

"Gestern Abend wurde Saarlouis gegenüber von Douaniers auf diesseitige Cavallerie-Patrouillen geschossen; zwei Pferde verwundet. Heute hat eine Compagnie des 8. Rheinischen Infanterie-Regiments No. 70 das Zollhaus in Schrecklingen mit Zollcasse genommen. Douaniers theils getödtet, theils gefangen; Lieutenant v. Alten vom 70. Regiment verwundet. Fünf desertirte Franzosen hier eingetroffen."

 

Mittwoch, 27. Juli 1870

Vorposten-Gefecht bei Ludweiler nahe Völklingen

Deutsche Truppen Hohenzollersches Füsilier-Regiment Nr. 40
(6. Kompanie)
Französische Truppen 3 Kompanien Infanterie und 80 Mann Kavallerie

 

Im Militair-Wochenblatt Nr. 64 (3. August 1870) wird die Kampfhandlung wie folgt beschrieben:

"... Aus diesen Plänkeleien ist hervorzuheben das Gefecht eines Infanterie-Zuges, der bei Ludweiler am Lauterbache (nordöstlich des grossen Warudt-Waldes) vn einer überlegenen Abteilung des Feindes, aus 3 Compagnien Infanterie und 80 Pferden bestehend, angegriffen wurde, diese aber der Art empfing, dass sie mit einem Verlust von 1 Officier und 8 Mann zurückweichen musste, während diesseits nur 1 Mann verwundet wurde."

 

Oberst-Lieutenant von Pestel vom Rheinischen Ulanen-Regiment Nr. 7 

Oberst-Lieutenant von Pestel des Rheinischen Ulanen-Regiments Nr. 7. 

Der am 26. Juli zum Oberst-Lieutenant beförderte Kommandeur des Ulanen-Regiments Nr. 7 organisierte mit drei Schwadronen seines Regiments und einem Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 40 die Verteidigung von Saarbrücken. Dabei versuchte er die anrückenden Verbände des französischen 2. Armeekorps zu täuschen, indem "die Ulanen alsbald als Dragoner, indem sie den Infanteriehelm aufsetzten und den Waffenrock der 40er anzogen; ein anderes mal in Waffenrock und Mütze als Kürassiere und so fort" erschienen.

Donnerstag, 28. Juli 1870

Vorposten-Gefecht bei Saarbrücken

Deutsche Truppen

Hohenzollersches Füsilier-Regiment Nr. 40
(7. Kompanie)

Rheinisches Ulanen-Regiment Nr. 7
(Abteilungen der 2. und 4. Eskadron - 1 Ulan getötet)

Französische Truppen Infanterie und 2 Geschütze

 

Die Kölner Zeitung beschreibt das Gefecht wie folgt:

"Gestern (28.) gegen Mittag meldeten die Ulanen, welche die Folster Höhe abparoulliren, dass der Feind mit aufgelöster Tirailleurkette rechts und links der Forbacher Chaussee, dem Exercierplatze gegenüber, sich nähere. Unsere Infanterie besetzte die Höhe nach Arnual hin. Plötzlich ward nicht nur das Militair, sondern die ganze Stadt in Alarm gesetzt, da man in unmittelbarer Nähe Kanonenschüsse vernahm. Dieselben kamen von einer auf den Spicherer Höhen aufgestellten Batterie, die gegen 20 Granaten, direct auf das 'Bellevue' genannte Wirtshaus am Eingang des Cavallerie-Exercierplatzes gerichtet, warf. Zwei dieser Geschosse fielen in das Haus, eines derselben crepirte im Erdgeschosse, das andere schlug in den Giebel. Alle anderen Schüsse hatten dieselbe Richtung; ein Geschoss zerschmetterte einen Nussbaum. Bis in die Stadt sogar fielen die Schüsse, davon einer in das Hospital. Mehrere Granaten fielen auf den Exercier-Platz, eine sogar, die merkwürdiger Weise nicht crepirte, da sie auf einen Fels schlug, wurde als das erste Granaten-Monument dieses Krieges markirt. Unter diesen Schüssen rückten die Franzosen in aufgelöster Tirailleurkette vor und kamen bis zur Folster-Höhe. Hier wurden sie von den Unseren kräftig beschossen und zogen sich danach zurück. Dieses Ganze fand unter strömendem Regen, der sich auch über die ganze Pfalz ausgedehnt zu haben scheint, statt."

 

Samstag, 30. Juli 1870

Vorposten-Gefecht bei St. Arnual nahe Saarbrücken

Deutsche Truppen

Hohenzollersches Füsilier-Regiment Nr. 40
(8. Kompanie)

Rheinisches Ulanen-Regiment Nr. 7
(Abteilungen der 3. Eskadron - 1 Soldat getötet)

Französische Truppen Infanterie unbekannter Größe

 

Die Regimentsgeschichte des Ulanen-Regiments Nr. 7 (Kusenberg 1890) beschreibt das Gefecht:

"Der Feind ging in großen Massen gegen St. Arnual und Gersweiler vor. Unter heftigem Gewehrfeuer und großer Munitionsverschwendung hielt der den Wald bei St. Arnual und Gersweiler stark besetzt. Zwischen letzterem Ort und Stiring standen hinter dem Drahtzug 2 Infanterie- und 2 Kavallerie-Regimenter. Major v. Pestel sah ein, daß Alles auf dem Spiele stand, wenn nicht durch einen entschlossenen Angriff die alten Stellungen behauptet wurden. Mit der 8. Kompanie 40. Regiments und geringer Ulanenbedeckung ging er gegen den Wald vor; der Vorstoß gelang, um 5 Uhr konnte nach Trier und Coblenz die Meldung abgeschickt werden, daß der Wald frei, der Feind in seine gestrige Stellung zurückgegangen sei."